Michelsenschule Hildesheim - Darstellendes Spiel

Darstellendes Spiel

Das Fach Darstellendes Spiel wird an der Michelsenschule seit 1998 in der Oberstufe unterrichtet. In der 11. Klasse (Einführungsphase) und der 12. Klasse (Q1) kann Darstellendes Spiel als eines der künstlerisch-musischen Fächer angewählt werden. Der Unterricht im Fach Darstellendes Spiel hat einen spielpraktischen Schwerpunkt. Das Kursthema in der Einführungsphase ist Körpertheater und Bewegung im Raum. In der Q1 werden die Bausteine Sprache, Stimme und Objekte sowie Schauspielansätze und Theaterformen bearbeitet.

Um eine Vorstellung zu geben, wie der Unterricht im Fach Darstellendes Spiel abläuft, sollen hier Gestaltungspunkte beispielhaft aufgezeigt werden. Der praktische Unterricht lässt sich grundlegend in vier Phasen einteilen: 

 


 

I

Mit der allgemeinen Aufwärmphase ist es im Grunde wie beim Sport. Da wir vor allem unseren Körper als Instrument zur Darstellung nutzen, müssen wir nach dem unbewussten Sitzen und Grübeln des meisten Schulunterrichts höherer Klassen erst einmal körperlich in Gang kommen und unsere Aufmerksamkeit auf ganz einfache Vorgänge der alltäglichen Bewegung lenken. Die Idee dahinter ist, dass man erst dann, wenn man seinen Körper bewusst wahrnimmt, ihn auch als Ausdruckmittel bewusst einsetzen kann. Nebenbei bemerkt, ist es durchaus erhellend, einmal festzustellen, wie oft wir uns – freilich ohne es zu merken –die Haare aus dem Gesicht streichen, ein Bein einknicken, einen Ellenbogen greifen usw. Neben dieser eher nach innen gekehrten Wahrnehmungsschulung einerseits wird andererseits der Kontakt zu den Mitspielern in dieser Phase spielerisch zur Gewohnheit, wenn man z.B. sich mit „Fußschlag“ oder nettem Schultercheck begrüßt, zu dritt mit zwei Händen und drei Beinen auf dem Boden stehen muss oder als Atom eine Pizza funghi oder Apfel-Banane-Birne darstellen muss. 

Unschwer ist an den Beispielen zu erkennen, dass es in dieser Phase nicht gerade überaus ernst zugeht, und zunehmend wird – ohne dass man es bei allem Spaß eigentlich merkt – nicht nur die Kontaktscheu ab- und Vertrauen aufgebaut, 

sondern auch alle Möglichkeiten, auf dem Boden zu stehen, zu sitzen, zu liegen, ausgelotet.  

Und schließlich weicht vor allem das Peinlichkeitsgefühl einer größeren Freiheit, einfach mal zu machen. Das ist ganz wichtig, wenn es nun in die nächste Phase geht.

 


 

II

Im zweiten Teil der Aufwärmphase wird es nun spezifischer. Je nach Stundenthema wird nun wild ausprobiert und in einer Atmosphäre „konzentrierten Albernseins“ ausgelotet, was für einen selbst möglich ist. Dabei geht es noch nicht so sehr darum, dass es toll aussieht und gut funktioniert, sondern, dass man eben alles Mögliche und (scheinbar) Unmögliche ausprobiert. Wie eigentlich ist ganz aus dem Häuschen, stinke wütend, oder Rockstar sein?

 


 

III

Für die Bearbeitung einer konkreten Aufgabenstellung hat man dann erstens seinen Körper soweit trainiert, dass man ihm nun genauere Arbeit abverlangen kann, und zweitens seinen Materialpool zusammen, aus dem man auswählen kann. Alles Weitere ist eine Mischung aus Kreativität, Sich-aufeinander-Einlassen, Konzentration und eben darstellend Spielen. Dabei hat der eine Lust, einmal genau das zu spielen, was er sonst nicht ist (fiese Ballettlehrerin etwa).

Der andere hat entdeckt, was ihm am allerbesten liegt, und baut das in seine Figurendarstellung mit ein. Außerdem ist das eine wunderbarere Gelegenheit, festzustellen, dass Missgeschicke oder „Fehler“ der Clou des Ganzen werden können. Dass Planung das Eine und das Im-Spiel-sich-Ergeben das Andere ist. 

 


 

IV

Schließlich gibt es eine kleine Aufführung jeder Gruppe, die natürlich beklatscht und dann nach den neu erarbeiteten Vorgaben und sonstigem, was so auffällt, von den Mitakteuren des Kurses und der Lehrperson beurteilt wird. Immer und ausnahmslos wohlwollend, konkret lobend und kritisch mit Verbesserungsvorschlägen. 

So kann man im Schutz der Rolle und Gruppe Sicherheit gewinnen, um selbstbewusst vor Publikum zu stehen und dabei seine körperliche Präsenz für eine positive Wirkung bewusst einzusetzen.

 


 

Unsere Fachgruppe Darstellendes Spiel